Aleatorik


Aleatorik
Ale|a|to|rik 〈f.; -; unz.; Mus.〉 Kompositionsprinzip (bes. seit 1950), bei dem musikal. Abläufe in großen Zügen festgelegt werden, im Einzelnen jedoch dem Zufall überlassen bleiben [<lat. alea „Würfel, Zufall“]

* * *

Ale|a|to|rik, die; - [zu lat. aleator = Würfel-, Glücksspieler] (Musik):
Kompositionsverfahren der zeitgenössischen Musik mit individueller Notation (2) und beabsichtigten großen Interpretationsspielräumen.

* * *

Aleatorik
 
[zu lateinisch alea »Würfel«, »Würfelspiel«, »(blinder) Zufall«] die, -, vieldeutiger Begriff, der im Blick auf die Einbeziehung des Zufalls in die Musik nach 1950 aus der Statistik entlehnt und mit Sachverhalten sowohl kompositionstechnischer als auch werkspezifischer Art verknüpft wurde.
 
So gibt es 1) in der seriellen Musik aleatorische Kompositionsverfahren, die Zufallsmomente in das strenge Determinationssystem der Parameter einfließen lassen, etwa - wie in K. Stockhausens »Gruppen« (1955-57) - die statistische Bestimmung eines Tonkomplexes in seinen globalen Merkmalen, bei der die Festlegung der Einzeltöne zufällig bleibt.
 
2) entwickelte P. Boulez mit seiner 3. Klaviersonate (1957 ff.) die Kompositionsmethode des »gelenkten Zufalls«, aus der sich gleichfalls Werke mit genau fixiertem Notentext ergeben; doch bleiben dem Interpreten im Augenblick der Ausführung Entscheidungsmöglichkeiten.
 
In Bezug darauf spricht man 3) von Aleatorik auch hinsichtlich der formalen Variabilität eines Werkes, wobei - wie in K. Stockhausens »Klavierstück XI« (1956) - die Reihenfolge fixierter Einzelabschnitte auch vollständig dem Zufall, d. h. dem augenblicklichen Belieben des Interpreten, überlassen bleibt.
 
Darüber hinaus gibt es Werke, bei denen weder die Ausführung der vorgegebenen Spielanweisungen noch deren Reihenfolge determiniert ist (E. Brown, »Twenty five pages«, 1953; J. Cage, Klavierkonzert, 1957/58). In diesem Sinn wird 4) der Begriff Aleatorik zuweilen pauschal mit der Gruppenimprovisation, mit der Interpretation musikalischer Grafik oder mit der - in Herstellung wie Ausführung unbestimmten - Zufallskomposition J. Cages gleichgesetzt.
 
 
K. Stockhausen: A., Erfindung u. Entdeckung, in: Texte zur elektron. u. instrumentalen Musik, Bd. 1 (1963);
 K. Boehmer: Zur Theorie der offenen Form in der neuen Musik (1967);
 P. Boulez: Alea, in: Werkstatt-Texte (a. d. Frz., 1972);
 W. Frobenius: Aleatorisch, in: Hwb. der musikal. Terminologie, hg. v. H. H. Eggebrecht, Losebl. (1972 ff.).

* * *

Ale|a|to|rik, die; - [zu lat. aleator = Würfel-, Glücksspieler] (Musik): Kompositionsverfahren der zeitgenössischen Musik mit individueller ↑Notation (2) und beabsichtigten großen Interpretationsspielräumen: „Aleatorik“ hieß das neue Schlagwort (Welt 9. 9. 68, 9).

Universal-Lexikon. 2012.

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • Aleatorik — нем. [алеато/рик] aléatorique фр. [алеатори/к] алеаторика, метод соврем. композиции, основанный на внесении элемента случайности, импровизац. начала в структуру произведения …   Словарь иностранных музыкальных терминов

  • Aleatorik — Die Aleatorik (von lat. Alea, der Würfel) bezeichnet in Musik, Kunst und Literatur das Hervorbringen künstlerischer Strukturen mittels improvisatorischer oder kombinatorischer Zufallsoperationen. Beschreibung Der Begriff aleatorisch ist nicht… …   Deutsch Wikipedia

  • Aleatorik — A|le|a|to|rik 〈f.; Gen.: ; Pl.: unz.〉 Kompositionstechnik, die den musikal. Verlauf in groben Zügen festlegt, dem Zufall aber einen gewissen Raum lässt [Etym.: <lat. alea »Würfel«] …   Lexikalische Deutsches Wörterbuch

  • Aleatorik — Ale|a|to|rik die; <zu ↑aleatorisch u. 2↑...ik> Kompositionsrichtung, die dem Zufall breiten Raum gewährt, wobei einzelne Klangteile in einer dem Interpreten weitgehend überlassenen Abfolge aneinander gereiht werden, sodass sich bei jeder… …   Das große Fremdwörterbuch

  • Aleatorik — Ale|a|to|rik, die; <lateinisch> (Musik moderner Kompositionsstil mit Zufallselementen) …   Die deutsche Rechtschreibung

  • aléatorique — Aleatorik нем. [алеато/рик] aléatorique фр. [алеатори/к] алеаторика, метод соврем. композиции, основанный на внесении элемента случайности, импровизац. начала в структуру произведения …   Словарь иностранных музыкальных терминов

  • Musikästhetik — ist als philosophische Disziplin Teil des Denkens über Musik mit dem spezifischen Bezugspunkt der Reflexion und ästhetischen Erfahrung musikalischer Werke und Prozesse. Dabei variieren Gegenstand und Methoden musikästhetischer Betrachtungen. Die… …   Deutsch Wikipedia

  • Zeitgenössische Musik — Unter dem Oberbegriff Neue Musik werden unterschiedliche Kompositionsrichtungen der ernsten Musik des 20. und 21. Jahrhunderts zusammengefasst. Der Musikjournalist Paul Bekker zeigte in seinem gleichnamigen Vortrag (1919) Tendenzen des damals… …   Deutsch Wikipedia

  • Adelsoper — Bühnenbildentwurf zur Zauberflöte von Karl Friedrich Schinkel Aufführung der Verkauften Braut 1913–22 in Prag …   Deutsch Wikipedia

  • Albert Antonio Serge Garant — (* 22. September 1929 in Québec; † 1. November 1986 in Sherbrooke, Québec) war ein kanadischer Komponist und Dirigent. Garant spielte als Jugendlicher Klarinette im Sherbrooke Symphony Orchestra und Saxophon in verschiedenen Jazz Ensembles. Er… …   Deutsch Wikipedia